Alkohol
Alkohol
Alkohol

Am Anfang steht die Frage:

Was ist ein Alkoholabhängiger?

"Ein Alkoholabhängiger ist jemand, bei dem das Trinken ein anhaltendes und wachsendes Problem in einem oder mehreren Bereichen seines Lebens hervorruft!" Das Schlüsselwort ist "anhaltend". Zur Veranschaulichung: Wenn im Familienleben, im gesellschaftlichen Beisammensein, im Geschäfts- oder Berufsleben eines normalen Trinkers ein Problem entsteht, könnte dieser einfach weniger trinken, obwohl dies echte Entschlossenheit erfordern würde. Bei einen Abhängigen (natürlich weibliche und männliche Alkohol- oder Medikamentenabhängige) verhält es sich anders. Er mag zwar versuchen, das Trinken einzuschränken, aber ganz gleich wie entschlossen er sein mag, sobald er zu trinken beginnt, ist er nicht mehr in der Lage, das Trinken unter Kontrolle zu halten. Dadurch ruft es ein anhaltendes Problem hervor.

Warum ist Abhängigkeit eine Krankheit?

Im allgemeinen versteht man unter Krankheit eine "körperliche, geistige oder seelische Störung" mehr oder weniger schwerwiegender Natur, die an bestimmten Symptomen zu erkennen ist. Kann Abhängigkeit mit dieser Definierung in Einklang gebracht werden? DasBundesgericht und alle Mediziner bestätigen dies und antworten mit einem klaren Ja!

Ist Abhängigkeit heilbar?

Wenn der Begriff heilbar auf die Fähigkeit hinweisen soll, ein normales, kontrolliertes Trinken wieder zu erreichen, muß diese Frage, und darin sind sich alle Experten einig, mit nein beantwortet werden. Allerdings ist Abhängigkeit kontrollierbar. Mediziner, Berater und abstinente Abhängige stimmen darin überein, das sie durch völlige Enthaltsamkeit unter Kontrolle gehalten werden kann!

Ist lediglich die Willenskraft entscheidend?

Die meisten Abhängigen haben mehr als gewöhnliche Willenskraft. Sie stehen morgens auf und gehen an die Arbeit. Jeder andere, wenn er in ihrer Verfassung wäre, bliebe im Bett und würde den Arzt rufen. Das Märchen vom schwachen Willen des Abhängigen beruht wahrscheinlich auf der Tatsache: Wenn sie trinken, verlieren sie die Kontrolle über sich! Der Abhängige muß seine Willenskraft dazu gebrauchen, sich des ersten Schluckes zu enthalten.

Wie steht es mit Beruhigungsmitteln?

Der Abhängige, der zitternd aufwacht und nicht trinken möchte, greift vielleicht zu einem Beruhigungsmittel. Aber er wird nicht erkennen, das sein Körper und seine Psyche den Unterschied nicht kennt. Alkohol ist ein Sedativum, ein Stimmungswandler, ebenso wie Beruhigungsmittel, Schlafmittel, bestimmte Schmerzmittel u.s.w. Stimmungswandler sind.Für den Abhängigen ist jeder Stoff, der die Stimmung wandelt, eine Gefahr. Deshalb empfehlen Experten den Abhängigen, sich des Alkohols und aller stimmungswandelnden Stoffe zu enthalten.

Wie unterscheiden sich die Trinkgewohnheiten eines Abhängigen von denen eines Gesunden?

Die Trinkgewohnheiten eines Abhängigen weichen von dem ab, was man als normal bezeichnen würde. Wenn jemand, den Sie kennen, anfangen würde, heimlich Milch zu trinken, würden Sie sicher schlussfolgern, das etwas verkehrt ist. Es ist einfach nicht normal. Doch Abhängige trinken sehr oft heimlich und verstecken sogar die Flasche, um später weiter- trinken zu müssen. Personen mit normalen Trinkgewohnheiten brauchen das nicht.Der größte Unterschied zwischen dem Trinken eines Abhängigen und eines Gesunden besteht jedoch in der Kontrolle! Der Geselligkeitstrinker kann gewöhnlich einscheiden, wann und wieviel er trinkt. Der Abhängige kann das nicht. Sind andere zunehmend besorgt über Ihre Trinkgewohnheiten? Seien Sie ehrlich zu sich selbst. "Ich kann jederzeit aufhören, wenn ich will", mögen Sie sagen. Doch Können kann man nur durch Tun beweisen! Zeitweilige Enthaltsamkeit beweist nicht, das Sie nicht abhängig sind. Wie fühlen Sie sich während einer Abstinenzzeit? Ruhig und entspannt oder nervös und angespannt? Wenn Sie das Ende einer selbstgewählten oder erzwungenen Abstinenz herbeisehnen und behaupten: "Seht, ich habe bewiesen, ich bin nicht abhängig", dann sind sie wahrscheinlich anhängig. Für einen Nichtabhängigen ist Abstinenz keine Arbeit und kein Verzicht.

Welche Art Hilfe ist erforderlich?

Körperlich
Der Abhängige muß durch eine Entziehungskur entgiftet werden. Das geschieht am besten im Krankenhaus, damit auch alkoholbedingte Gesundheitsprobleme behandelt werden können. Doch eine körperliche Behandlung reicht nicht aus! Sonst denkt er, sobald er sich besser fühlt: "jetzt kann ich damit fertig werden!"

Geistig
Er sollte sich mit den Fakten des Alkoholismus vertraut machen, um die logischen Gründe dafür, das er sich des Alkohols enthalten muß, kennen zulernen und zu akzeptieren. Dieses wissen wird ihm eine Hilfe sein, in seiner neuen Lebensqualität als Nüchterner standhaft zu bleiben.

Sozial
Er muß lernen, mit sich selbst und anderen gut auszukommen.

Emotional
Es ist unbedingt erforderlich, das der Abhängige lernt, Mit Angst, Scham und anderen negativen Gefühlen fertig zu werden. Er muß lernen, ohne Alkohol und Medikamente ein zufriedenes Leben zu führen. Nur Du alleine kannst Dir helfen, aber Du kannst es nicht alleine!

Vielen Abhängigen ist durch ein Therapie-Zentrum geholfen worden. Solche Einrichtungen verfügen über Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter. Der Abhängige erfährt seine Krankheit in einer Weise, die er akzeptieren kann. Auch Gruppentherapie kann dem Patienten Hilfe bieten, mit seinen Problemen fertig zu werden und die Verteidigungsmethoden zu erkennen, denen er sich unbewusst bedient. Doch welche Therapie auch angewandt wird, das Ziel besteht darin, das der Abhängige lernt, mit seinen Emotionen fertig zu werden, ohne zum Alkohol oder Medikament zu greifen. Aber sobald der Abhängige eine solche Therapie beendet hat, sieht er sich wieder den Realitäten gegenüber, denen er vorher durch Alkohol zu entfliehen suchte. Er findet jetzt Hilfe und kann sie auch anderen geben, in einer Selbsthilfegruppe, in der sich Abhängige und Angehörige gegenseitig helfen und stützen.

Es ist keine Schande, krank zu werden, aber es ist eine Schande, nichts dagegen zu tun!